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Installation View: Media Park, Cologne (April-August 2017)


Bushaltestelle Deutschland (Polycarbonat, Airbrush)
Cooperation with Selma Gültroprak

Die Bushaltestelle ist - aus Richtung des Kölner Stadtgartens kommend - zu Beginn des August-Sander Parks aufgestellt. Ihr Standort befindet sich auf
der Unterführung, entlang der Erftstraße. 
Die gesamten Wandteile sind durch lackiertes und dennoch durchscheinendes Polycarbonat ersetzt. Mittels Airbrushtechnik ist die gesamte Wandfläche in
einem schwarz-rot-gelben Farbverlauf getränkt. Entgegen der scharfen Linientrennung der Deutschlandflagge gehen die Farben hier ineinander über und
vermischen sich. 
Da die Rückwand zur Straße liegt kann der Ausblick auf die Umgebung - von der Brücke aus - durch das eingefärbte Material wahrgenommen werden.
Das durch die Haltestelle dringende, getönte Tages- und Sonnenlicht reflektiert den Raum - je nach Sonnenstand - auf die Umgebung und den Innenraum. 
Der profane Architekturgegenstand der 70er Jahre Bushaltestelle erhält so einen sakralen Moment und beginnt zu leuchten. Dieser Moment steht in
Spannung mit den Farben, die sich an denen der Deutschlandfahne orientieren. Obwohl der Farbverlauf das Bild der Fahne entfremdet, bleibt sie
deutlich wiederzuerkennen. 
Deutschland selbst ist - seitdem es hunderttausende von Geflüchtete aufgenommen hat - zum Symbol geworden. Es hat global einen neuen Charakter
gewonnen und eine umkodierte Außenwirkung erzielt. Für viele ist Deutschland ein Sehnsuchtsort, ein Hafen der Menschenrechte.
Aber nicht jeder bleibt hier, sondern es ist nur eine Station auf einer ungewissen Reise ohne Perspektive. 
In Deutschland hat die Flagge wieder starke Symbolkraft erlangt. Sie ist aktuell wieder deutlich präsenter und sichtbarer im öffentlichen Raum geworden.
Fahnen sprechen von Abgrenzung und Ausschließung und bewirken Haltungen dazu. 
Die Bushaltestelle ist ein Warteraum, ein Ort der Erwartung, der Pause und eine Transitstelle.
Im urbanem Raum rahmt und sammelt sie die Wartenden und macht sie dadurch sichtbar. Gleichzeitig bietet sie einen provisorischen Schutz und kann sich
eine temporäre, zufällige Gemeinschaft und ein Nebeneinander von ähnlichen oder gegensätzlichen Gefühlen und Gedanken ergeben. 
Vera Drebusch und Selma Gültoprak greifen den ambivalenten Charakter der Fahne im Kontext zur Funktion der Bushaltestelle auf. Das „Fenster“ - im
Kontrast zum stabilen Metallrahmen - illustriert Fragilität.
Die temporär aufgestellte Installation zeigt sich leer und offen. Sie steht verlassen und alleine auf der Unterführung. Zugleich erscheint sie wie
eine lichtdurchflutete Oase und ihre Präsenz kann überdies auf zweiter Ebene von der Erftstraße aus wahrgenommen werden. 
Wie ein Statement, scheint sie zu warten, endlich genutzt zu werden.